CSD 2023 - Pressemitteilungen

„The future is queer!“ – Schwerpunkt und Motto 2023

16. Februar 2023

Lesedauer: ca. 2 Minuten
Regenbogenfähnchen werden in die Luft gehalten

Jahrhunderte lang wurden queere1 Menschen unterdrückt, verfolgt und sind bis heute Diskriminierungen und körperlicher Gewalt ausgesetzt. Dies wurde uns schrecklicherweise letztes Jahr in Münster erneut vor Augen geführt als der junge trans Mann Malte C. eine Woche nach einem brutalen Angriff seinen schweren Verletzungen erlag. Leider ist solch eine Tat kein Einzelfall. Eine Statistik des Bundesinnenministeriums zu Hasskriminalität2 weist für 2021 einen Anstieg von über 60% bei politisch motivierter Kriminalität gegenüber queeren Menschen im Vergleich zum Vorjahr aus.

Dieses Problem muss intersektional3 betrachtet und gelöst werden. Denn viele queere Menschen werden aus verschiedensten Gründen in unserer Gesellschaft mehrfachdiskriminiert. Selbst in der queeren Community. Zum Beispiel weil sie BIPoC4 sind oder eine körperliche, geistige oder psychische Beeinträchtigung aufweisen. Wie schon in unseren Forderungen festgehalten, kann Queerfeindlichkeit nicht losgelöst von anderen Ungleichheiten betrachtet und schon gar nicht überwunden werden. Daher müssen wir den verschiedenen Formen von Diskriminierung entgegengetreten und uns für Menschenrechte stark machen. Das Übel von Ignoranz und Hass muss an der Wurzel gepackt werden. Dabei müssen wir über den eigenen Tellerrand hinausblicken und auch selbstkritisch sein.

Wir blicken dennoch optimistisch in die Zukunft. Schauen wir uns nur an, was wir bisher erreicht haben. Die Abschaffung des §175 Strafgesetzbuch, die Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare, die angestrebten Veränderungen im Personenstandsrecht und im Abstammungsrecht. Nach über 50 Jahren CSD-Bewegung voll zäher Diskurse und harter Arbeit kommen wir einem unserer großen Ziele Schritt für Schritt näher: Die gesellschaftliche Akzeptanz von queeren Lebensrealitäten.

Für uns folgt daraus die Erkenntnis, die Zukunft ist queer. Damit einher geht für uns das Ziel und die Aufgabe auf diese Zukunft hinzuarbeiten und dabei besonders die jüngeren Generationen einzubeziehen, um eine Zukunft für alle zu gestalten. Wir träumen von einer respektvollen und gewaltfreien Zukunft für alle Menschen. Unser Ziel ist eine hassfreie Gesellschaft. Eine Gesellschaft in der es egal ist, wen du liebst oder wie du dein Geschlecht beschreibst. In einer solchen Gesellschaft sollte ein Coming Out nicht mehr notwendig sein und schon gar keine negativen Folgen haben. Weder privat noch beruflich.

Wir sind uns bewusst, dass unsere Vorstellung von einer queeren Zukunft wohl leider etwas utopisch ist. Doch es lohnt sich dafür zu kämpfen. Denn wie steter Tropfen den Stein höhlt, so werden auch wir mit langem Atem weiter für queere Menschen eintreten und demonstrieren. Denn gemeinsam sind wir stark! Und gemeinsam können wir etwas verändern!

Daher rufen wir dazu auf, am 15. Juli 2023 an der großen CSD-Demonstration und dem anschließenden Straßenfest auf dem Leipziger Augustusplatz teilzunehmen sowie die Veranstaltungen der CSD-Programmwoche zu besuchen.

Lasst uns die Zukunft gemeinsam queer gestalten!

1 QUEER ist ein Sammelbegriff für transgeschlechtliche Menschen und für Menschen jenseits der Heterosexualität und/oder des binären Geschlechtersystems von Mann und Frau.

2 Quelle: bmi.bund.de

3 INTERSEKTIONAL beschreibt die Überschneidung und Gleichzeitigkeit verschiedener Diskriminierungskategorien gegenüber einer Person

4 BIPoC ist die Abkürzung von Black, Indigenous, People of Color und bedeutet auf Deutsch Schwarz, Indigen und der Begriff People of Color wird nicht übersetzt. All diese Begriffe sind politische Selbstbezeichnungen. Das bedeutet, sie sind aus einem Widerstand entstanden und stehen bis heute für die Kämpfe gegen diese Unterdrückungen und für mehr Gleichberechtigung. (Quelle: Migrationsrat Berlin)