Queere Begriffe

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Mit dieser Liste möchten wir als CSD Leipzig die gängigsten Begriffe, Abkürzungen und Symbole der queeren Community und der Antidiskriminierungsarbeit im Allgemeinen sammeln und euch näherbringen.

Wir möchten hiermit aufklären und Missverständnissen entgegenwirken, denn nur durch Verständnis und Aufklärung können wir gemeinsam für mehr Freiheit, Akzeptanz und Vielfalt innerhalb und außerhalb unserer Community sorgen.

Aufgrund der ständig wachsenden Anzahl an Selbstdefinitionen sind einige der hier festgehalten Begriffe als offene und nicht abschließende Definitionen zu verstehen. Falls ihr euch selbst somit anders definiert, als hier festgehalten finden wir das wunderbar. Unsere Community soll auch weiterhin vielfältig und bunt bleiben! Wir möchten außerdem betonen, dass jede Person für sich selbst eine Bezeichnung wählen kann und sollte, mit der sie sich am ehesten identifizieren kann, wenn sie das möchte und dass es ebenso in Ordnung ist, gänzlich auf eine Selbstbezeichnung zu verzichten. Vor allem aber sollte niemandem von außen ein Label aufgedrückt werden.

Auch erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit dieser Auflistung. Wenn eurer Meinung nach noch wichtige Begriffe, Themen oder Teilaspekte fehlen oder wenn ihr feststellt, dass einzelne Erklärungen nicht ausreichen, dann teilt uns dies gern mit. Wir freuen uns darauf, uns mit euch auszutauschen, von einander zu lernen und die gesamte Vielfalt unserer Community abzubilden!

Content-Warnung
Die nachfolgenden Inhalte enthalten zum Teil Beschreibungen von Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen sowie Suizid. Bei manchen Menschen können diese  Themen negative Reaktionen auslösen. Bitte seid achtsam, wenn das bei euch der Fall sein sollte!

Das Sternchen kann in verschiedener Weise benutzt werden:

  1. In den Begriffen trans* oder inter* steht das Sternchen für die Vielfalt der Menschen, die sich unter diesen Bezeichnungen versammeln. Es wird somit verwendet, um alle Ausprägungen dieser Identitäten einzuschließen, auch jene die sich vielleicht (noch) nicht konkret benennen lassen oder wollen.
    Ähnlich ist es bei den Begriffen Mann*/Männer* bzw. Frau*/Frauen*. Hier soll mit dem Sternchen zum Ausdruck gebracht werden, dass zum Beispiel auch trans* Frauen oder trans* Männer Teil der jeweiligen Gruppe sind.
  2. Als Form der geschlechtergerechten Sprache wird das Sternchen genutzt, um Frauen, nichtbinäre, trans* und inter* Personen mit einzuschließen und anzusprechen. (Beispiel: Besucher*innen)

Über die verschiedenen Formen und Herangehensweisen geschlechtergerechter Sprache, oder auch des „Genderns“, herrscht auch unter Fachleuten Uneinigkeit. Einige Formen gelten inzwischen als überholt und nicht zweckdienlich, manche sind barriereärmer als andere. Wir als CSD Leipzig verwenden deshalb das Sternchen ausschließlich im Sinne der ersten Definition, während wir für geschlechtergerechte Sprache den Doppelpunkt verwenden.

Der Doppelpunkt wird als Form der geschlechtergerechten Sprache genutzt, um Frauen, nichtbinäre, trans* und inter* Personen mit einzuschließen. Der Doppelpunkt wird dabei zwischen die maskuline Form eines Wortes bzw. den Wortstamm und dessen weibliche Endung gesetzt, um Menschen jeder Geschlechtsidentität anzusprechen. (Beispiel: Besucher:innen)

Alternativ nutzen manche auch das das Sternchen (*) anstelle des Doppelpunktes, siehe oben.

Wir als CSD Leipzig verwenden zu diesem Zweck ausschließlich den Doppelpunkt. Das hat verschiedene Gründe: zum einen ist er im Schriftbild weniger störend und beeinflusst den Lesefluss weniger als zum Beispiel das Sternchen und zum anderen ist der Doppelpunkt barriereärmer. Wenn beispielsweise blinde Personen einen sogenannten Screen Reader verwenden, um sich Texte maschinell vorlesen zu lassen, machen diese bei einem Doppelpunkt automatisch eine ganz kurze Pause, wie man das auch beim Sprechen machen würde, wohingegen bei einem * das Wort „Sternchen“ ausgesprochen werden würde.

Quelle: https://www.genderleicht.de/gender-doppelpunkt

Die Nachsilbe ‚-amor‘, beispielsweise in polyamor bedeutet, dass sich ein Begriff auf die Art und Weise einer Person bezieht, Beziehungen einzugehen und sagt zunächst nichts über deren romantische oder sexuelle Orientierung aus.

Die Nachsilben ‚-gender‘ bzw. ‚-geschlechtlich‘, beispielsweise in agender oder transgeschlechtlich bedeuten, dass sich ein Begriff auf die Geschlechtsidentität einer Person beziehen.

Zum Unterschied von Gender und Geschlecht siehe Gender.

Die Nachsilbe ‚-romantisch‘, beispielsweise in aromantisch bedeutet, dass sich ein Begriff auf die Art und Weise einer Person bezieht, zu lieben bzw. Gefühle für andere Menschen zu empfinden oder auch nicht zu empfinden.

Dies kann, muss jedoch nicht im Zusammenhang mit ihrer Sexualität stehen.

Die Nachsilbe ‚-sexuell‘, beispielsweise in bisexuell bedeutet, dass sich ein Begriff auf die sexuelle Orientierung einer Person bezieht.

Siehe auch Sexualität

Der Begriff Ableismus bezeichnet die Beurteilung von Menschen anhand ihrer körperlichen Eigenschaften und Fähigkeiten. Menschen mit Behinderung werden dabei aufgrund des vermeintlichen Fehlens bestimmter Fähigkeiten abgewertet. Hieraus können Diskriminierung oder gesellschaftliche Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen entstehen.

Der Ausdruck Ageism (vom englischen age für Alter, im deutschen Sprachraum auch Ageismus) oder auf Deutsch auch Altersdiskriminierung bezeichnet eine soziale und/oder ökonomische Benachteiligung von Personen oder Gruppen aufgrund ihres Lebensalters. Den Betroffenen wird es erschwert, in angemessener Weise am Arbeitsleben und/oder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Meist ist die Diskriminierung vermeintlich alter Menschen gemeint, gelegentlich jedoch auch die vermeintlich junger Menschen, wobei die Einteilung in jung und alt höchst subjektiv und kontextabhängig ist.

Als agender können sich Menschen bezeichnen, die kein Geschlecht haben, sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen oder mit dem Konzept von Geschlecht an sich nichts anfangen können bzw. dieses bewusst ablehnen.

Siehe auch nichtbinär

Siehe HIV

Antisemitismus – der Begriff legt nahe, dass er bedeutet, gegen Juden zu sein: Judenfeindschaft, Judenhass. Dabei hat Antisemitismus mit realen jüdischen Menschen nichts zu tun, er entsteht unabhängig von ihrem tatsächlichen Verhalten.

Nach der Definition der International Holocaust Remebrance Alliance ist Antisemitismus „eine bestimmte Wahrnehmung von Juden (…)“. Das ist schon der Kern, auf den es ankommt: Eine ganz bestimmte Sicht dominiert, anstatt die jeweilige Person in ihrer Unterschiedlichkeit und Individualität wahrzunehmen. Wer sich über jüdische Menschen eine Meinung bildet, die von ihrem Judentum abgeleitet wird, anstatt von ihrem konkreten persönlichen Verhalten, handelt antisemitisch. Juden und Jüdinnen haben außer ihrem Jüdischsein erst einmal nichts gemeinsam – sie sind genauso unterschiedlich wie Angehörige anderer Religionen und Kulturen. Auf dieses Verhältnis zwischen Individuum und Gruppe kommt es an: Antisemitismus fängt da an, wo aus der Gruppenzugehörigkeit Eigenschaften Einzelner abgeleitet werden und umgekehrt. Wenn Juden als Gruppe Eigenschaften zugeschrieben werden, die über ihr faktisches Jüdischsein hinausgehen, ist das antisemitisch.

Quelle: https://www.antisemitismusbeauftragter.de/Webs/BAS/DE/bekaempfung-antisemitismus/was-ist-antisemitismus/was-ist-antisemitismus-node.html

Menschen, die sich als aromantisch bezeichnen, spüren kein oder wenig Interesse an einer romantischen Beziehung. Dies kann, muss jedoch nicht mit Asexualität einher gehen.

Als asexuell können sich Menschen bezeichnen, die kein oder wenig Verlangen nach Sex und/oder körperlicher Nähe mit anderen Menschen empfinden.

Dies kann unterschiedlich stark ausprägt sein und ist nicht einheitlich. Manche asexuelle Menschen schließen körperlichen Kontakt wie Kuscheln oder Küssen nicht aus und betreiben auch Selbstbefriedigung. Andere wiederum verzichten ganz auf körperliche bzw. sexuelle Aktivitäten.

Die meisten Menschen verstehen unter Barrierefreiheit Rampen statt Treppen, breite Türen und absenkbare Busse. Doch bauliche Veränderungen und speziell ausgerüstete Fahrzeuge reichen nicht aus, um den Alltag barrierefrei zu gestalten. Barrierefreiheit heißt, dass Gebäude und öffentliche Plätze, Arbeitsstätten und Wohnungen, Verkehrsmittel und Gebrauchsgegenstände, Dienstleistungen und Freizeitangebote so gestaltet werden, dass sie für alle ohne fremde Hilfe zugänglich sind.

Konkret bedeutet Barrierefreiheit also, dass nicht nur Stufen, sondern auch ein Aufzug oder eine Rampe ins Rathaus führen, dass Formulare nicht in komplizierter Amtssprache, sondern auch in Leichter Sprache vorhanden sind, und dass auch gehörlose Menschen einen Vortrag verfolgen können – zum Beispiel mit Hilfe eines Gebärdensprachdolmetschers.

Außerdem muss bei der Definition auch die digitale Barrierefreiheit mitgedacht werden. Das bedeutet, Internetseiten müssen so gestaltet sein, dass jede:r sie nutzen kann. Dazu gehört zum Beispiel das Hinterlegen von Bildbeschreibungen für blinde Menschen und die Möglichkeit, Videos in barrierefreien Formaten, zum Beispiel mit Untertiteln abzuspielen.

Quelle: https://www.aktion-mensch.de/dafuer-stehen-wir/was-ist-inklusion/barrierefreiheit-bedeutung

Siehe auch Inklusion.

Barrierefreiheit und Inklusion beim CSD Leipzig

Die Abkürzung BIPoC (aus dem Englischen: Black, Indigenous and People of Color) ist ein Begriff, der sich auf Schwarze, Indigene und People of Color bezieht. Mit dem Begriff sollen explizit Schwarze und indigene Identitäten sichtbar gemacht werden, um antischwarzem Rassismus und der Unsichtbarkeit indigener Gemeinschaften entgegenzuwirken. Der Begriff soll die spezifische Gewalt, kulturelle Auslöschung und Diskriminierung hervorheben, die Schwarze und indigene Menschen erfahren. Außerdem versucht er die oben genannten Communities zu vereinen. Trotzdem soll die Tatsache unterstrichen werden, dass nicht alle People of Color die gleichen Erfahrungen machen, insbesondere wenn es um systemische Unterdrückung geht.

Quelle: https://vielfalt.uni-koeln.de/antidiskriminierung/glossar-diskriminierung-rassismuskritik/bipoc

Als bisexuell, häufig auch nur kurz bi, bezeichnen sich Menschen, welche sich sowohl zu Frauen als auch zu Männern sexuell hingezogen fühlen.

Hierbei ist es unabhängig, ob die bisexuelle Person in einer Partnerschaft mit einer Frau oder einem Mann lebt.

Da die Definition von Bisexualität umstritten ist, bezeichnen sich manche Menschen auch als bi+(sexuell). Das Plus steht hier für die verschiedenen Definitionen bzw. Ausprägungen und soll ausdrücken, dass Bi+sexuelle sich zu zwei oder auch mehreren Geschlechtern hingezogen fühlen, die auch weder männlich noch weiblich sein können.

Siehe auch Pansexualität

Der Christopher Street Day, kurz CSD, ist eine jährlich stattfindende Demonstration in vielen Städten rund um die Welt für die Akzeptanz, Rechte und Freiheit aller Menschen, die nicht in die romantische, sexuelle und/oder geschlechtliche Norm der Gesellschaft passen.

Ihren historische Ursprung hat sie am 28. Juni im Jahr 1969 im New Yorker Stadtteil Greenwich Village in der Christopher Street. An diesem Tag wehrten sich die Besucher:innen des Stonewall Inn gegen die regelmäßigen Razzien und Kontrollen durch die Polizei und widersetzten sich Verhaftungen und Diskriminierung in tagelangen Straßenschlachten. 

Im Andenken an diesen Tag werden weltweit CSD (im englischen Pride) veranstaltet.

Siehe auch Stonewall

Der Begriff cis bezeichnet Menschen, welche sich mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt anhand anatomischer Merkmale zugewiesen wurde. Er wird ähnlich wie trans* und inter* verwendet. Somit ist zum Beispiel ein cis Mann eine Person, der bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde und die sich selbst auch als Mann sieht.

Der Begriff Coming-out bezeichnet die (Selbst-)Offenbarung des Geschlechts und/oder der sexuellen Orientierung einer Person.

Es gibt zwei Arten von Coming-outs: Beim inneren Coming-out wird sich eine Person selbst über ihr Geschlecht und/oder ihre sexuelle Orientierung bewusst. Das äußere Coming-out bezeichnet den Prozess, in dem die Person mit anderen Menschen über ihr Geschlecht und/oder sexuelle Orientierung spricht. Das äußere Coming-out kann direkt nach dem inneren Coming-out, Jahre später oder aber auch nie passieren und ist ein lebenslanger Prozess. Menschen, deren sexuelle und/oder geschlechtliche Identität von der gesellschaftlichen Norm abweichen, sind oft gezwungen, sich wieder und wieder in unterschiedlichen Situationen z.B. im Beruf oder bei medizinischen Angelegenheiten gegenüber anderen Menschen zu outen.

Eine Person entscheidet immer selbst, ob, wann und mit wem sie über ihr Geschlecht und/oder ihre sexuelle Orientierung spricht. Keine Person sollte von anderen geoutet werden!

Der Begriff Community stammt aus dem Englischen und bedeutet Gemeinschaft oder Gemeinde.

Heute wird der Begriff vor allem verwendet, um eine Gruppe von Menschen zu benennen, die gemeinsame Werte und Haltungen teilen. Die zugehörigen Mitglieder empfinden hierbei ein gewisses Gemeinschaftsgefühl und setzen sich für gemeinsame Ziele ein. Diese sind oftmals sozialer oder politischer Natur, können aber auch auf andere, z.B. wirtschaftliche oder ökologische Aspekte abzielen.

Die queere Community umfasst sowohl alle Menschen, die nicht in die romantische, sexuelle und/oder geschlechtliche Norm der Gesellschaft passen, als auch Vereine, Lokale und Institutionen, die Raum für diese Menschen schaffen und/oder sich für diese Menschen einsetzen bzw. in denen diese sich selbst organisieren.

Innerhalb einer Community kann es auch weitere (Unter-)Gruppierungen geben, die ebenfalls als Community bezeichnet werden können. So ist beispielweise die trans* Community ein Teil der queeren Community.

Der Geschlechtseintrag, oder auch Personenstand, divers bildet seit 2018 in Deutschland eine dritte rechtliche Geschlechtsoption neben weiblich und männlich, die sich auf ein drittes Geschlecht (im Sinne von inter*) oder auch auf eine nichtbinäre Geschlechtsidentität beziehen kann.

Der Begriff der Diversität, oder auch auf englisch diversity, wird häufig als Synonym für Vielfalt verwendet. Genauer versteht man darunter die Vielfalt oder Verschiedenartigkeit von Merkmalen, Eigenschaften und Elementen innerhalb einer Organisation, Gruppe oder der Gesellschaft. 

Darüber hinaus bezeichnet der Begriff aber auch ein gesellschaftliches Konzept, das auf der Idee basiert, dass jeder Mensch in seiner Einzigartigkeit wertvoll ist und dafür Anerkennung und Respekt verdient.

Unsere gesellschaftliche Vielfalt zu schätzen und zu fördern, ist Grundlage dafür, die Benachteiligung einzelner Gruppen zu reduzieren und Chancengleichheit zu erreichen.

Der Begriff der Diversität umfasst individuelle, soziale und strukturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Menschen. Diese umfassen im Kern die folgenden Bereiche:

  • ethnischer Hintergrund
  • Geschlecht
  • sexuelle Orientierung
  • Alter
  • körperliche und geistige Fähigkeiten
  • Religion und Weltanschauung
  • soziale Herkunft

Drag ist eine Kunstform, die vor allem in der queeren Community weit verbreitet ist und sich aus Elementen von Schauspiel, Gesang, Tanz, Comedy und anderen Kunstformen zusammensetzt.

Bei Drag wird die Rolle eines anderen Geschlechts eingenommen, um gezielt Geschlechterrollen und Geschlechterklischees zu überzeichnen und teilweise auch das Konzept von Geschlecht in Frage zu stellen.

Darsteller:innen in weiblichen Rollen werden als Drag Queens bezeichnet, wird eine männliche Rolle verkörpert spricht man von Drag Kings. Darüber hinaus gibt es die Bezeichnung Quing für Mischformen bzw. Rollen die Merkmale mehrerer Geschlechter vereinen. Die Grenzen zwischen den verschiedenen Formen von Drag sind immer fließend. Gelegentlich wird auch von Drag Creatures gesprochen, wenn animalische bzw. bewusst entmenschlichte Rollen eingenommen werden.

Die dargestellten Rollen stehen dabei in keinem Zusammenhang mit der realen romantischen und/oder sexuellen Orientierung und/oder geschlechtliche Identität der Darsteller:innen.

Bekannte Beispiele für Drag Queens sind unter anderem RuPaul, Conchita Wurst, Barbie Breakout oder Olivia Jones. Bekannte Beispiele für Drag Kings sind unter anderem Spikey van Dykey, Landon Cider oder Elvis Herselvis. 

Woher der Begriff Drag genau kommt, ist nicht abschließend geklärt. Eine Hypothese ist, dass sich die Begrifflichkeit auf Shakespeare zurückführen lässt. Dieser verwendete in seinen Theaterstücken die Phrase „dressed as girl“ (= „gekleidet wie ein Mädchen“, kurz: drag) um männliche Darsteller darauf aufmerksam zu machen, dass sie in diesen Rollen als Frau gekleidet auf der Bühne erscheinen sollten.

Im deutschsprachigen Raum wird häufig auch der Begriff der Travestie (von französisch travestir für „verstellen“) verwendet. Travestie ist eine historisch gewachsene Kunstform, in der sich zunächst Männer als Frauen verkleideten und bezieht sich vor allem auf die schauspielerische Darstellung des anderen Geschlechts. Charakteristisch für diese Art der Darstellung ist die Überzeichnung von Stereotypen und Geschlechterklischees. 

Drag spielt im Gegensatz zu Travestie nicht nur mit Geschlechterklischees, sondern geht darüber hinaus und kann mit dem Konzept von Geschlecht an sich brechen. Außerdem werden im Drag in der Regel Kunstfiguren kreiert, die dauerhaft eingenommen werden und nicht selten eine eigene Identität besitzen. Dennoch werden die Begriffe auch synonym verwendet und eine genaue Abgrenzung ist schwierig.

Travestie und Drag sind als Kunstformen klar abzugrenzen von trans*. Sie stellen reine Bühnentechniken dar und sind unabhängig vom eigenen Geschlechtsbewusstsein. Ebenso sind sie nicht an eine sexuelle Orientierung gebunden.

Die „Ehe für alle“ bzw. „Öffnung der Ehe“, wie die Einführung eines Rechts auf Eheschließung für gleichgeschlechtliche Paare oft genannt wird, bedeutet die Gewährung gleicher Rechte und die volle rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften seitens des Staates. Es wird damit die Erwartung verbunden, dass sie auch zu einem Abbau der Diskriminierung von homosexuellen Menschen in der Gesellschaft beiträgt.

Unter dem Begriff des Feminismus versammeln sich viele verschiedene Bewegungen und Bemühungen, die sich für unterschiedliche Themen stark machen und sich zum Teil auch widersprechen. Jedoch haben sie alle eines gemeinsam: Sie setzen sich für die Gleichstellung aller Menschen, gegen Sexismus und gegen die Diskriminierung von Frauen* ein.

Feminist:innen kritisieren, dass auch heute noch die meiste Macht in den Händen von Männern* liegt. Dazu gehören der Zugang zu Geld und die Macht über Personen (z.B. in den Chefetagen). Aber es geht auch darum, wem zugehört wird, wer als kompetent angesehen wird oder wer in Geschichtsbüchern auftaucht.

Das Ziel von Feminismus ist nicht, Frauen* an Stelle von Männern* „an die Macht zu bringen“. Es geht um gerechte Verteilung, gleiche Rechte und volle Selbstbestimmung für alle.

FINTA* ist eine Abkürzung und steht für Frauen, inter*, nicht-binäre, trans* und agender Menschen. In der Variante FLINTA* werden zusätzlich Lesben gesondert benannt.

Die Abkürzungen werden häufig verwendet, um auszudrücken, welche Menschen in einem bestimmten Rahmen gemeint bzw. willkommen sind und basieren auf dem Fakt, dass die Wahrnehmung und vor allem die mediale Darstellung der queeren Community häufig von homosexuellen Männern dominiert wird.

FINTA* bzw. FLINTA* sollten nicht als Synonym für Frauen* bzw. weiblich gelesene Personen verstanden oder verwendet werden, da so wiederum Menschen fälschlicherweise ein- bzw. ausgeschlossen werden könnten.

Gay ist das englische Wort für schwul und wird auch hierzulande immer häufiger als Selbstbezeichnung homosexueller Männer* genutzt. Im Englischen wird der Begriff gelegentlich auch synonym für homosexuell und somit auch für Lesben verwendet.

Die Grundlage des Geschlechterbegriffs ist ein von der Reproduktionsfähigkeit ausgehendes, biologisches Verständnis von Menschen als entweder „weiblich“ oder „männlich“ – also als „gebärfähig“ oder nicht. Der Geschlechterbegriff hat jedoch nicht nur biologische, sondern auch soziale, und damit identitätsstiftende, rechtliche Aspekte – nach Auffassung der Geschlechterforschung können jedoch sowohl das biologische als auch soziale Geschlecht als gesellschaftliche Konstruktionen verstanden werden, die die Realität geschlechtlicher Vielfalt nur unzureichend erfassen.

Zwar basiert das biologische Geschlecht (englisch „sex“) auf sicht- und messbaren Faktoren wie Chromosomen, Hormonen, äußeren und inneren Geschlechtsorganen, so bedeutet dies jedoch nicht, dass es nicht auch Menschen gibt, deren biologisches Geschlecht mehrdeutig ist. Diese Menschen werden als inter* bezeichnet. Oft werden ihre äußeren Geschlechtsorgane jedoch schon als Säuglinge operativ an „männlich“ oder „weiblich“ angepasst, um sie in diese gesellschaftlich konstruierten Kategorien einordnen zu können.

Dieses soziale Geschlecht (englisch „gender“) wird durch die Bewertung von Aussehen, Körpersprache und Handlungsweisen, die als „männlich“ oder „weiblich“ gelten stark kulturell definiert: Zum Beispiel durch „Jungs- und Mädchenabteilungen“ bei Spielsachen, Kleidung, Büchern, und Filmen; die schon Kindern beibringen, welchen Rollen sie zu entsprechen haben.

Oft stimmt das biologische Geschlecht mit dem sozialen insoweit überein, dass sich Menschen damit identifizieren und gesellschaftlichen Erwartungen mehr oder weniger leicht entsprechen können. Es kommt jedoch auch vor – sowohl bei Menschen mit eindeutigen als auch mehrdeutigen biologischen Geschlechtsmerkmalen – dass sich eine Person nicht als das Geschlecht fühlt, das ihr bei der Geburt zugewiesen wurde, oder sich gar keinem Geschlecht, oder mehreren zugeordnet fühlt. Männer und Frauen, bei denen das biologische und soziale Geschlecht zusammenpassen, werden cis genannt. Menschen, denen bei der Geburt das jeweils andere biologische Geschlecht zugeordnet wurde bezeichnen sich als trans*. Menschen, die sich keinem oder beiden der sozialen Geschlechter zugehörig fühlen als agender oder nichtbinär.

Es geht also hervor, dass eine Binarität der biologischen oder sozialen Geschlechter kein zwangsläufiges Naturgesetz, sondern eine soziale Konstruktion ist, deren Aufhebung – oder zumindest Auflockerung und Öffnung – für viele eine Erleichterung bedeuten könnte, um die echte Vielfalt von Sex und Gender abzubilden.

Quelle: https://echte-vielfalt.de/lebensbereiche/lsbtiq/sex-vs-gender-biologisches-soziales-geschlecht/

Siehe auch cis, inter* und trans*

Als genderfluid können sich Menschen bezeichnen, deren selbstbestimmte geschlechtliche Identität sich in bestimmten Zeiträumen ändert. Dabei kann das Geschlecht zwischen allen möglichen Gendern wechseln.

Quelle: https://queer-lexikon.net/2017/06/15/genderfluid/

Als gender nonconforming oder gendervariant können sich Personen bezeichnen, die eine Geschlechtsidentität haben, die nicht mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde oder die aus gesellschaftlichen Vorstellungen (z. B. zu Verhalten und Kleidung) zu Geschlecht ausbrechen. Im Gegensatz zu trans* geht es dabei aber mehr um die grundsätzliche Ablehnung der gesellschaftlichen binären Norm in Bezug auf Geschlecht.

Quelle: https://queer-lexikon.net/2017/06/15/gendervariant/

Siehe Ehe für alle

Eine heteronormative Weltanschauung stellt Heterosexualität, also gegengeschlechtliches (im Sinne von Mann* und Frau*) Begehren, als soziale Norm und einzige „natürliche“ sexuelle Orientierung dar. Der Begriff wird auch verwendet, um darauf aufmerksam zu machen, welche Privilegien aus dieser Norm abgeleitet werden.

Unsere Gesellschaft ist stark heteronormativ geprägt. Grundsätzlich gelten Menschen als heterosexuell bis sie sich als nicht-heterosexuell outen. Dieses Coming-out ist in einer heteronormativen Gesellschaft notwendig, um die eigene sexuelle Orientierung sichtbar zu machen. Allerdings ist ein Coming-out in diesem Rahmen häufig mit Angst vor sozialen Konsequenzen und der Sorge verbunden, der gesellschaftlichen Erwartungshaltung nicht zu entsprechen und somit aufgrund der eigenen Identität ausgeschlossen zu werden.

Heteronormativ bedeutet auch das Festschreiben und Voraussetzen traditioneller Geschlechterrollen, die, ähnlich wie das gegengeschlechtliche Begehren, als „natürlich“ dargestellt werden. Das heißt, es gibt klare stereotype Vorstellungen, wie sich Frauen* und Männer* verhalten sollten.  

Eine gravierende Folge dieser Heteronorm ist Queerfeindlichkeit. Queere Menschen werden von einer heteronormativen Gesellschaft oft marginalisiert, diskriminiert und verfolgt. Ihre sexuellen Orientierungen und auch die vermeintliche Überschreitung der erwarteten „natürlichen“ Geschlechterrolle gelten als Abweichungen von der Norm und werden entsprechend geahndet.

Die Heteronorm schadet aber nicht nur queeren Menschen. Sie schränkt alle ein. Sie schreibt vor, wie sich Menschen zu verhalten haben und lässt wenig Spielraum, die eigene Persönlichkeit zu finden und frei auszuleben. Auch heterosexuelle Frauen* leiden unter diesen Rollenbildern und den damit einhergehenden Erwartung an sie.

Als Heterosexuell bezeichnet man Menschen, die sich nur zum anderen Geschlecht (im Sinne von Mann* und Frau*) sexuell hingezogen fühlen.

Hierbei sollte von der Selbstdefinition der eigenen Geschlechtsidentität ausgegangen werden.

Heterosexuelle Menschen gelten in unserer Gesellschaft als Norm, siehe Heteronorm.

HIV ist eine Abkürzung und bedeutet „Humanes Immundefizienz-Virus“. Das bedeutet so viel wie menschliches Abwehrschwäche-Virus. HIV schädigt das Immunsystem und ist sexuell übertragbar.

Ohne Behandlung kann der Körper eindringende Krankheitserreger nicht mehr bekämpfen. Im schlimmsten Fall treten dann bestimmte lebensbedrohliche Erkrankungen auf, zum Beispiel schwere Lungenentzündungen. Dann spricht man von Aids. HIV und Aids sind also nicht dasselbe.

Auch Aids ist eine Abkürzung und steht für „Acquired Immune Deficiency Syndrome“ (deutsch: Erworbenes Abwehrschwäche-Syndrom).

Eine vollständige Heilung von HIV ist bis heute nicht möglich. Heutige HIV-Medikamente unterdrücken jedoch das Virus im Körper und verhindern damit den Ausbruch von Aids und die weitere Übertragung des Virus. Menschen mit HIV können so gut und lange leben.

Das war jedoch nicht immer so. Aids forderte vor allem in den 1980er Jahren viele Todesopfer in der schwulen Community weltweit, was wiederum zu einer Stigmatisierung führte, die bis heute anhält.

Menschen, die sich mit HIV infiziert haben, also HIV-positiv sind, verwenden gelegentlich die Abkürzung HIV+ als empowernden Begriff, um darauf aufmerksam zu machen, dass man heute bei entsprechender Behandlung problemlos mit dem Virus leben kann und um gegen die Diskriminierung von Menschen mit HIV einzutreten.

Quelle: https://www.aidshilfe.de/hiv-aids

Als homosexuell können sich Menschen bezeichnen, die sich nur zum eigenen Geschlecht sexuell hingezogen fühlen.

Hierbei sollte von der Selbstdefinition der eigenen Geschlechtsidentität ausgegangen werden.

Siehe auch schwul und lesbisch.

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch ganz natürlich zu einer Gruppe oder allgemein zur Gesellschaft dazu gehört. Oder anders: Inklusion ist, wenn alle mitmachen dürfen. Egal wie ein Mensch aussiehst, welche Sprache er spricht oder ob er eine Behinderung hat.

Zum Beispiel: Kinder mit und ohne Behinderung lernen zusammen in der Schule. Wenn jeder Mensch überall dabei sein kann, am Arbeitsplatz, beim Wohnen oder in der Freizeit, dann ist das inklusiv.

Siehe auch Barrierefreiheit.

Quelle: https://www.aktion-mensch.de/dafuer-stehen-wir/was-ist-inklusion

Barrierefreiheit und Inklusion beim CSD Leipzig

Inter* ist ein Überbegriff für alle Formen von Intergeschlechtlichkeit. Der Begriff wird von Menschen verwendet, denen bei der Geburt körperliche Merkmale sowohl des männlichen als auch des weiblichen Geschlecht oder eine uneindeutige Geschlechtlichkeit zugewiesen wurden.

Dies kann unterschiedliche Ursachen haben, wie beispielsweise eine Abweichung der Geschlechtschromosomen oder eine genetisch bedingte hormonelle Entwicklungsstörung.

Inter* Personen haben seit 2018 in Deutschland die Möglichkeit ihr Geschlecht als divers in ihren Pass eintragen zu lassen, siehe divers.

Intersektionalität beschreibt die Folgen des Zusammenwirkens unterschiedlicher Arten von Diskriminierung, zum Beispiel Rassismus und Queerfeindlichkeit. Man spricht in diesen Fällen auch von Mehrfachdiskriminierung. Gemeint ist damit, dass verschiedene Diskriminierungsformen nicht einzeln für sich wirken und einfach addiert werden können, sondern dass sie sich gegenseitig beeinflussen und so auch neue Formen der Diskriminierung entstehen können.

Ziel eines intersektionalen Ansatzes ist es deshalb, diese verschiedenen Facetten als Gesamtproblem zu verstehen und zu bekämpfen. Der Begriff wird vor allem in aktivistischen und pädagogischen Zusammenhängen verwendet.

Quelle: https://www.vielfalt-mediathek.de/intersektionalitaet

Klassismus bezeichnet Vorurteile oder Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft oder der sozialen Stellung und richtet sich überwiegend gegen Angehörige einer vermeintlich „niedrigeren“ sozialen Klasse. Die Klassismustheorie unterscheidet beispielsweise zwischen Diskriminierung gegenüber Arbeitern und armen Menschen im Sinne von materiellen bzw. finanziellen Besitztümern.

Als Konversionsbehandlung, Konversionstherapie oder umgangssprachlich auch „Umpolung“ oder „Homo-Heilung“ werden umstrittene pseudo-therapeutische Methoden bezeichnet, welche dazu führen sollen, dass queere Menschen ihre sexuelle Orientierung und/oder geschlechtliche Identität überdenken bzw. ändern und sich so der heterosexuellen Norm anpassen.

Dies ist nicht nur unmöglich und somit unnötig, sondern vor allem auch erwiesenermaßen gesundheitsgefährdend. Die „Behandlungen“ können Auslöser für Depressionen und Suizide sein und sind deshalb seit 2020 für Jugendliche in Deutschland verboten.

Als CSD fordern wir ein vollständiges Verbot dieser „Therapien“ in Deutschland. Mehr dazu erfährst du in unseren Forderungen unter Punkt 13.

Quelle: https://www.liebesleben.de/fuer-alle/konversionsbehandlung/was-sind-konversionsbehandlungen/

Als Lesbe bzw. lesbisch können sich Frauen* bezeichnen, die sich romantisch und/oder sexuell zu anderen Frauen* hingezogen fühlen.

LSBTIAQ* ist eine Abkürzung für das Spektrum von geschlechtlichen Identitäten und sexuellen Orientierungen abseits der Heteronorm und steht im Einzelnen für Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Trans*, Inter*, Asexuell und Queer. Gelegentlich wird anstelle des Sternchens auch ein Plus (+) verwendet.

Häufig wird auch die gleichbedeutende englische Abkürzung LGBTIAQ* für Lesbian, Gay, Bi, Trans*, Inter*, Asexual und Queer verwendet.

Darüber hinaus gibt es einige weitere Variationen bzw. Kombinationen dieser Abkürzungen wie LSBT oder LSBTI die jeweils bestimmte Gruppen der queeren Community ansprechen sollen. Auch hier sind die englischen Varianten mit G statt S geläufig.

Lookism (vom englischen look für „Aussehen“, im deutschsprachigen Raum auch Lookismus) bezeichnet die Stereotypisierung bzw. Diskriminierung auf Grund des Aussehens bzw. des äußeren Erscheinungsbildes einer Person.

Lookism ist die Annahme, dass das Aussehen ein Indikator für den Wert einer Person ist. Sie bezieht sich auf die gesellschaftliche Annahme einer Schönheits- oder Attraktivitätsnorm und die Unterdrückung durch Stereotype und Verallgemeinerungen über Menschen, die diesen Normen entsprechen und über diejenigen, die ihnen nicht entsprechen.

Bei einer Mehr(fach)elternschaft oder in Mehrelternfamilien vereinbaren häufig drei oder vier Personen, schon vor der Zeugung, gemeinsam Verantwortung für ein Kind zu übernehmen. Aus Sicht der Kinder bedeutet das, dass sie sowohl biologische als auch soziale Elternteile haben können, die sich gleichermaßen um sie kümmern und deren Zusammensetzung sich ändern kann.

Im deutschen Recht gilt noch immer das Prinzip der Zweielternschaft. Demnach ist die gesetzliche Mutter stets die Frau*, die das Kind geboren hat, auch wenn das Kind genetisch nicht von ihr abstammt. Auch die rechtliche Vaterschaft wird gesetzlich bislang nur einer Person zugewiesen: Vater eines Kindes ist der Mann*, der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter des Kindes verheiratet ist, der die Vaterschaft anerkannt hat oder dessen Vaterschaft gerichtlich festgestellt wurde.

Das hat, bis auf wenige Ausnahmen, zur Folge, dass nur zwei Personen in die Geburtsurkunde eines Kindes eingetragen werden und nur zwei Personen sorgeberechtigt sein können.

Auch sonst orientieren sich rechtliche Regelungen an der klassischen heteronormativen, sogenannten Kernfamilie, wenn es etwa um unterhalts- oder erbrechtliche Ansprüche geht.

Die Lebensrealität, insbesondere bei Regenbogenfamilien, ist jedoch häufig eine andere und stellt das “biologische” Prinzip grundlegend infrage. Die Mehrelternschaft kann als Teilbereich der sogenannten Regenbogenfamilien verstanden werden, siehe Regenbogenfamilien.

Quelle: https://regenbogen.family/planen/mehrelternschaft/

In dem Begriff „Nationalismus“ steckt das Wort „Nation“. Das bedeutet „politische Gemeinschaft“. Manchmal behaupten Menschen, dass „unser Staat“ und „unsere Nation“ viel besser seien als alle anderen. Sie meinen, dass sie selbst besser und bedeutender seien, dass sie eine bessere Kultur und Sprache als die anderen Staaten hätten. Oft wird dabei auf andere Völker herabgesehen, die Menschen anderer Nationen und ihre Kultur werden verachtet. Mit solchen übersteigerten Einschätzungen erhebt man sich über alle anderen Menschen und setzt sich damit an die oberste Stelle.

Eine solche Weltanschauung, die die eigene Nation überhöht und andere Nationen abwertet, wird mit „Nationalismus“ bezeichnet. Oft treten Nationalisten aggressiv und drohend auf, denn sie haben nur die eigenen Interessen im Sinn und diese dürfen nicht in Frage gestellt werden. Ein stark übersteigerter Nationalismus kann zu einer Gefahr für andere Staaten und Völker werden, wie es der Nationalsozialismus in Deutschland gezeigt hat.

Quelle: https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/das-junge-politik-lexikon/320839/nationalismus/

Als nichtbinär oder auch nonbinary (aus dem Englischen) bezeichnen sich Personen, die sich nicht klar als Mann* oder als Frau* identifizieren. Nichtbinäre Personen sind beispielsweise männlich und weiblich gleichzeitig, zwischen männlich und weiblich oder sehen sich als weder männlich noch weiblich. Manche nichtbinäre Menschen verorten sich ganz außerhalb des binären Systems von Mann* und Frau*, manche haben gar kein Geschlecht (siehe agender) oder haben eine Geschlechtsidentität, die sich immer wieder ändert (siehe genderfluid).

Quelle: https://queer-lexikon.net/2017/06/08/nichtbinaer/

Als pansexuell, häufig auch nur kurz pan, können sich Menschen bezeichnen, die sexuelle Anziehung gegenüber Menschen aller Geschlechter empfinden oder deren sexuelle Anziehung nicht vom Geschlecht der anderen Person(en) abhängig ist.

Pansexualität kann als eine Art Erweiterung von Bisexualität angesehen werden, sofern sich diese in ihrer ursprünglichen Form auf Männer* und Frauen* bezieht. Die Abgrenzung ist hierbei nicht ganz eindeutig.

Person of Color (Plural: People of Color, abgekürzt PoC) ist eine Bezeichnung für Menschen, die von der Mehrheitsgesellschaft als nicht-weiß angesehen werden und aufgrund ethnischer Zugehörigkeit (Alltags-)Rassismus ausgesetzt sind. In Deutschland wird der Begriff bisher eher im akademischen Kontext und als Selbstbezeichnung verwendet. People of Color bezieht sich auf alle ethnisierten Menschen, die zu unterschiedlichen Teilen afrikanischer, asiatischer, lateinamerikanischer, arabischer, jüdischer, indigener oder pazifischer Abstammung oder Herkunft sind.

Quelle: https://vielfalt.uni-koeln.de/antidiskriminierung/glossar-diskriminierung-rassismuskritik/bipoc

Siehe auch BIPoC

Als polyamor, häufig auch nur kurz poly, können sich Menschen bezeichnen, die sich in mehr als eine Person auf einmal verlieben bzw. romantische und/oder sexuelle Beziehungen mit mehr als einer Person gleichzeitig haben (wollen).

Dies können sowohl Beziehungen sein, die parallel zu einander existieren, wobei jeweils nur zwei Personen involviert sind, als auch Beziehungsmodelle, die drei oder mehr Menschen einbeziehen.

Siehe Christopher Street Day

Der Begriff queer hat seinen Ursprung im Englischen und bedeutet so viel wie „seltsam“ oder „komisch“. Er wurde als Schimpfwort gegenüber homosexuellen Personen verwendet.

Mittlerweile hat die queere Community sich diesen zu eigen gemacht und verwendet ihn als positive Selbstdefinition und als Überbegriff für die gesamte Community mit allen Teilgruppen. Queer vereint alle Menschen, die nicht in die romantische, sexuelle und/oder geschlechtliche Norm der Gesellschaft passen. Somit schließt queer auch alle vorhandenen und noch kommenden Selbstdefinitionen mit ein.

Wir als CSD Leipzig verwenden deshalb ausschließlich den Begriff queer um das gesamte Spektrum an romantischen, sexuellen und/oder geschlechtlichen Identitäten anzusprechen und sichtbar zu machen.

Rassismus ist eine Gesinnung oder Ideologie, nach der Menschen aufgrund äußerlicher Merkmale, die eine bestimmte Abstammung vermuten lassen, oder auch aufgrund ihrer tatsächlichen Herkunft kategorisiert und beurteilt werden.

Die zur Abgrenzung herangezogenen Merkmale wie Hautfarbe, Körpergröße oder Sprache – teilweise auch kulturelle Merkmale wie Kleidung oder Bräuche – werden als grundsätzlicher und bestimmender Faktor menschlicher Fähigkeiten und Eigenschaften gedeutet und nach Wertigkeit eingeteilt. Dabei betrachten Rassist:innen alle Menschen, die ihren eigenen Merkmalen möglichst ähnlich sind, grundsätzlich als höherwertig, während alle anderen (oftmals abgestuft) als geringerwertig diskriminiert werden.

Regenbogenfamilien sind Familien, in denen mindestens ein Elternteil queer ist. Diese Familienkonstellationen können auf vielfältige Weise entstehen:

  • Regenbogenfamilien entstehen, weil sich queere Menschen Kinder wünschen und Familien gründen. Familien mit zwei lesbischen oder bisexuellen Müttern erfüllen sich Ihren Kinderwunsch meist mithilfe einer Samenspende. Familien mit zwei schwulen oder bisexuellen Vätern nehmen in Deutschland vor allem Pflege- oder Adoptivkinder auf.
  • Manchmal werden Familien mit heterosexuellen bzw. cisgeschlechtlichen Elternpaaren zu Regenbogenfamilien. Zum Beispiel, wenn sich die Mutter in eine Frau* verliebt oder wenn der Vater sich als trans* outet.
  • Auch Mehrelternkonstellationen, in denen sich mehr als zwei Menschen zusammenfinden, um ihren Kinderwunsch zu verwirklichen, werden zu den Regenbogenfamilien gezählt, siehe Mehrelternschaft.

Seit 2017 können zwei Personen, unabhängig von ihrem Geschlecht, in Deutschland eine Ehe miteinander eingehen. Diese Rechtsform beinhaltet alle Rechte heterosexueller, cis Ehepaare. Allerdings sind gleichgeschlechtliche Paare, insbesondere lesbische Mütter, bei der Anerkennung der weiteren Elternstelle mit heterosexuellen Paaren noch immer nicht gleichgestellt. So muss die Mutter, welche das Kind nicht zur Welt gebracht hat, nach geltendem Recht ein langwieriges Adoptionsverfahren durchmachen, um als rechtliche Mutter ihres Kindes anerkannt zu werden.

Als CSD fordern wir die rechtliche und gesellschaftliche Anerkennung und Gleichstellung aller Lebens- und Familienformen. Mehr dazu erfahrt ihr in unseren Forderungen unter Punkt 21.

Quelle: https://familienportal.de/familienportal/lebenslagen/regenbogenfamilien

Die Regenbogenflagge steht für Vielfalt und ist das internationale Symbol aller Menschen, die nicht in die romantische, sexuelle und/oder geschlechtliche Norm der Gesellschaft passen.

Ursprünglich war sie ein Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung in den 1970er Jahren. Die ursprüngliche Regenbogenfahne besteht aus sechs verschieden farbigen Längsstreifen von oben nach unten: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett.

Seitdem gab es zahlreiche Abwandlungen der Flagge, wie die heute sehr populäre Progressiv Pride Flag und Neukreationen weiterer Flaggen für bestimmte Teilgruppen der queeren Community, wovon die trans* und inter* Flaggen am bekanntesten sind und an dieser Stelle stellvertretend genannt sein sollen. Die Vielfalt der Flaggen ist inzwischen ebenso groß wie die Vielfalt der Geschlechter und der sexuellen Orientierungen selbst.

In Deutschland wurde die Regenbogenflagge 1996 in Berlin zum ersten Mal an einem öffentlichen Gebäude gehisst. In Leipzig wird seit 2006 jährlich anlässlich unseres CSD die Regenbogenflagge vor dem Neuen Rathaus gehisst.

Der Rosa Winkel diente während der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 der Kennzeichnung und Stigmatisierung von homosexuellen Häftlingen (nur schwule Männer) in den Konzentrationslagern, sofern sie aufgrund ihrer Homosexualität dorthin verschleppt worden waren. Die Stoffaufnäher mussten an der Häftlingskleidung auf der linken Brust getragen werden.

Der schwarze Winkel kennzeichnete sogenannte „asoziale“ bzw. „gemeinschaftsunfähige“ Häftlinge in Konzentrationslagern. Dabei handelt es sich um einen Sammelbegriff, mit dem unter anderem auch Lesben stigmatisiert wurden.

Als schwul bzw. Schwuler können sich Männer* bezeichnen, die sich romantisch und/oder sexuell zu Männern* hingezogen fühlen.

Der Begriff Sexarbeit beschreibt die Branche der sexuellen und erotischen Dienstleistungen bzw. die Tätigkeit des Verkaufens von sexuellen und erotischen Dienstleistungen.

Sexarbeit findet in vielen Formen und an vielen Orten statt: Zum Beispiel in Terminwohnungen, in Bordellen, in Studios, in Laufhäusern, auf Parties, auf der Straße, oder in Wohnwägen. Kund:innen werden auch in eigenen Räumen empfangen, zu Hause oder im Hotel besucht.

Bei Sexarbeit handelt es sich um ein wertschätzendes Synonym von Prostitution – letzteres ist ein wesentlich älterer und sehr verbreiteter Name für die Branche bzw. die Tätigkeit, der vor allem in der juristischen Sprache und oft in den Medien noch verwendet wird.

Viele in der Branche tätige Menschen bevorzugen den Begriff Sexarbeit und die selbstgewählte Bezeichnung ihres Berufes als Sexarbeiter:in gegenüber dem in der Gesellschaft eher abwertend konnotierten Begriff der Prostitution und der Bezeichnung als Prostituierte:r.

Der Umgang mit Begrifflichkeiten ist sehr individuell und kontextabhängig. Beispielsweise bezeichnen sich manche Sexarbeitenden selbst stolz als „Huren“ oder nutzen Redewendungen wie „anschaffen gehen“, während diese Begriffe aus dem Mund nicht-sexarbeitender Menschen als negativ und beleidigend wahrgenommen werden können.

Quelle: https://www.berufsverband-sexarbeit.de/index.php/sexarbeit/berufsbild/

Sexismus (vom englischen sex für das biologische Geschlecht) ist ein Oberbegriff für unbewusste oder bewusste Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Dazu zählt unter bestimmten Bedingungen auch sexuelle Belästigung. Grundlage von Sexismus sind Vorurteile, die von einem ungleichen sozialen Status von Frauen* und Männern* ausgehen und sich in Geschlechterstereotypen, Affekten und Verhaltensweisen zeigen.

Siehe auch Heteronorm

Die sexuelle Orientierung eines Menschen beschreibt, zu welchem Geschlecht bzw. welchen Geschlechtern dieser sich emotional, körperlich und/oder sexuell hingezogen fühlt, unabhängig von der sexuellen Praxis und der sexuellen Präferenz.

Am 28. Juni 1969 wurde im Stonewall Inn, einer Bar in der Christopher Street in New York (USA) der Grundstein für die CSD-Bewegung auf der ganzen Welt gelegt.⁠

In den 1960er Jahren waren polizeiliche Razzien, Schikanen und Beleidigungen in und um die Christopher Street, einem Treffpunkt der damaligen queeren Szene, an der Tagesordnung. Sie waren der Auslöser für den ersten ernstzunehmenden Widerstand gegen die willkürliche Diskriminierung von queeren Personen in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969. Es folgten Straßenschlachten und Proteste gegen die Polizei, welche über mehrere Tage andauerten.

Angeführt wurden sie von BIPoC, Dragqueens, trans* Personen, Schwulen, Lesben und anderen queeren Personen. Zu den Aktivist:innen der ersten Stunde gehörten Menschen wie  z.B. Marsha P. Johnson, Joseph Ratanski und Sylvia Rivera. Es waren Menschen, die von der Gesellschaft verstoßen wurden und keine Safe Spaces besaßen.⁠

In Erinnerung an diese Gewalt und den Erweckungsmoment der queeren Community fanden in den folgenden Jahren und Jahrzehnten bis heute weltweit alljährliche Demonstrationen statt, die  „Christopher Street Day“ (CSD) oder auch „Pride“ genannt werden.

Siehe auch Christopher Street Day.

Trans* ist ein Überbegriff für alle Formen von Transgeschlechtlichkeit. Der Begriff bezeichnet Menschen, welche sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei ihrer Geburt zugewiesen wurde. Es handelt sich um eine Selbstbezeichnung. Nicht alle Menschen, auf die dies zutrifft verwenden diesen Begriff.

Trans* ist unabhängig von der sexuellen Orientierung. Trans* Personen können somit heterosexuell, homosexuell, bisexuell, pansexuell oder auch asexuell sein.

Früher wurde oft der Begriff transsexuell bzw. Transsexualität verwendet. Dieser gilt als veraltet, da die Wortendung -sexuell fälschlicherweise auf eine sexuelle Orientierung und nicht auf die Geschlechtsidentität verweist. Er wird von vielen trans* Menschen deshalb mittlerweile nicht mehr als Selbstdefinition verwendet.

Transgeschlechtlichkeit ist sehr facettenreich. Jede trans* Person geht anders mit ihrer geschlechtlichen Identität um. Nicht jede:r lässt beispielweise sein:ihr Geschlecht medizinisch angleichen. Das macht diese:n jedoch nicht weniger zu einer trans* Person. Auch verwenden trans* Menschen genau wie inter* oder nichtbinäre Menschen eventuell andere Pronomen als „er“ oder „sie“, auch das ist sehr individuell.

Siehe Diversität