Allgemeines

Nachruf auf Detlev Hüttig

16. Oktober 2026

Lesedauer: ca. 2 Minuten
Nachruf Detlev Hüttig

Oktober 1952 in Wiesbaden – 26. August 2026 in Leipzig

Mit Detlev Hüttig verliert Leipzig einen streitbaren Wegbereiter der LSBTIQ-Bewegung. Sein Wirken steht für den beharrlichen Einsatz für Sichtbarkeit, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Gleichstellung queerer Menschen.

Die Homosexuellenbewegung in der DDR entwickelte sich unter schwierigen Bedingungen. Trotz rechtlicher Fortschritte prägten gesellschaftliche Tabuisierung, staatliche Zensur und die Überwachung durch das Ministerium für Staatssicherheit das Leben vieler homosexueller Menschen. Eigene Lokale, unabhängige Vereine oder Zeitschriften wurden ihnen verwehrt. Sich unter diesen Umständen für Emanzipation einzusetzen, verlangte Mut und Ausdauer.

Detlev Hüttig war in Leipzig eine treibende Kraft an der Schnittstelle zwischen staatlichen SED-Führungsorganen und der queeren Emanzipationsbewegung. Nach zähen Verhandlungen wurden 1988 schwul-lesbische Gruppen bei der Freien Deutschen Jugend und in Klubhäusern möglich. Gemeinsam mit weiteren Engagierten gründete er die „RosaLinde“ im Jugendclub Phönix im Haus der Volkskunst. Damit half er, einen Raum für Begegnung, Austausch und gemeinsames Handeln zu schaffen.

Auch während der gesellschaftlichen Umbrüche von 1989 und 1990 blieb seine Stimme deutlich vernehmbar. Als sich neue Möglichkeiten der Selbstorganisation eröffneten und am 17. Februar 1990 in Leipzig der Schwulenverband in der DDR gegründet wurde, ging es um nichts Geringeres als vollständige gesellschaftliche Gleichstellung und Teilhabe.

Wie konkret Hüttig Emanzipation verstand, zeigte sich auch in seinem Einsatz für eine wirksame Aids-Aufklärung. In der taz vom 29. Mai 1990 warnte er davor, sich angesichts niedriger Infektionszahlen in Sicherheit zu wiegen: „Das Operieren mit niedrigen Zahlen ist verantwortungslos.“ Er benannte die Kluft zwischen theoretischem Wissen und praktischer Prävention – und forderte eine Aufklärung, die den Lebenswirklichkeiten der Menschen gerecht wurde.

Über viele Jahre prägte Detlev Hüttig die Vereinsführung von RosaLinde Leipzig. Er war streitbar und scheute Auseinandersetzungen nicht. Sein Wirken erinnert daran, dass gesellschaftliche Veränderungen Menschen brauchen, die Widersprüche benennen, Freiräume erkämpfen und beharrlich bleiben.

Detlev Hüttig starb am 26. August 2026 in Leipzig im Alter von 73 Jahren. Sein Beitrag zur queeren Emanzipation bleibt Teil der Geschichte dieser Stadt. Wir erinnern uns an einen Wegbereiter, der sich für die Rechte und die Würde queerer Menschen eingesetzt hat.

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