CSD 2022 - Pressemitteilungen

Grußworte Botschafter:innen 2022

30. Mai 2022

Lesedauer: ca. 3 Minuten
Unsere CSD-Botschafter:innen 2022

In diesem Jahr feiern wir 30 Jahre CSD Leipzig und deshalb werden wir von gleich drei Botschafter*innen unterstützt, die sich auf ganz unterschiedliche Art für die queere Community einsetzen und die Vielfalt unserer Community abbilden. Unsere Botschafter*innen werden auch zu unserer Demonstration am 16.07.2022 auf dem Augustusplatz anwesend sein.

CSD-Botschafter 2022 Peter Thürer
Foto: Privat

Peter Thürer

Sexualpädagoge und Berater für Familienplanung (MA)

Viele kennen mich von der aidshilfe und wissen, dass ich mich für eine szenenahe Safer Sex Prävention und als unermüdlicher Streiter gegen Ausgrenzung und Diskriminierung – auch innerhalb der queeren Szene – engagierte. Nun bin ich im Ruhestand. Es wird bei zunehmender Ausgrenzung und Diskriminierung queerer Menschen in Europa immer wichtiger das Erreichte der vergangenen Jahre zu bewahren und für weitere Gleichstellung sexueller Vielfalt zu streiten. Das lässt auch mich im Ruhestand wach und unruhig bleiben.

Seit dem 1. CSD 1992 in Leipzig bin ich aktiv im Orga-Team präsent. Es ehrt und freut mich daher um so mehr, dass ich für den CSD 2022 als Botschafter nominiert wurde. Rückblickend möchte ich allen Menschen danken, die sich für den CSD engagierten und ihn zu diesem großen Erfolg werden ließen, welcher Leipzig ungemein bereichert hat. Uns allen wünsche ich eine interessante und erlebnisreiche CSD-Woche.

Katharina Oguntoye

Schriftstellerin, Unternehmerin und Aktivistin

Mit 14 war ich eine bewusste Feministin und Umweltaktivistin. Autofreie Sonntage und ‚Atomkraft Nein Danke‘-Sticker überall. Bei meinem Coming Out mit Anfang Zwanzig wussten alle meine Freund*innen schon lange vorher, dass ich lesbisch bin.

Ich war die letzte, die es begriff. Aber meine Geschichte beginnt viel früher in Leipzig. Meine Oma kommt an den Wochenenden aus Crimmitschau und geht mit mir und meinem Bruder in den Stadtpark. Kindergarten, Einschulung, meine nigerianisch-deutsche Familie – ich erinnere mich an Sonnenschein und Liebe, ganz viel Liebe in meinem Leben. Ich weiß, dass ich nur so deshalb so positiv in die Welt schauen kann und eine starke Kämpferin werden konnte, weil ich mich angenommen fühlte. In der Kindheit und als junge Erwachsene.

Das diesjährige Motto des CSD Leipzig „Respekt für alle“ bedeutet genau das. Wir als Gesellschaft, als Bewegungen und als Freundeskreise müssen unsere Gegenüber, unsere jungen Menschen und unsere alten Gefährt*innen annehmen, Unterstützung anbieten und positiv bestätigen. Transgender, Migrant*innen, Lesben, Schwule, Frauen / Männer, Jungen und Mädchen, Intersexuelle, Asexuelle, Heteros und Menschen mit Behinderung, um nur einige der intersektionellen Identitäten zu benennen, verdienen Sichtbarkeit und Anerkennung. Also sollten wir uns Fragen, was können wir tun um einander zu helfen oder zu fördern? Wenn wir noch keine konkrete Idee haben, können wir mit einem Lächeln und freundlichem Umgang beginnen. Aber haben wir uns die Frage erst einmal gestellt, werden die Gelegenheiten zur konkreten Umsetzung ganz organisch entstehen. Und wir sind bereit. Give Love – Stop hate!

CSD-Botschafterin 2022 Katharina Oguntoye
Foto: Carolyn Gammon
CSD-Botschafter 2022 Fabian Grischkat
Foto: Oguz Yilmaz

Fabian Grischkat

Filmemacher, Aktivist und Moderator

Hallo Leipzig! Mein Name ist Fabian Grischkat und ich freue mich sehr Botschafter des diesjährigen Christopher Street Days zu sein.

Die Stadt Leipzig hat es in den letzten Jahren erfolgreich geschafft zu einem Zentrum für Vielfalt und Diversität zu wachsen. Ein Ort, an dem queere Menschen sich entfalten können und aufeinander acht geben. Dies ist besonders für die junge, queere Community wichtig und retrospektiv betrachtet fehlte mir solch ein Ort in meiner eigenen Jugend.

Mit 14 Jahren bemerkte ich, dass ich nicht nur Gefühle für Frauen, sondern auch für Männer entwickeln kann. In meinem kleinen Dorf fühlte ich mich allerdings wie Daffyd Thomas aus der Serie Little Britain: Alleine und missverstanden. Queere Safer Spaces, Konzerte oder Bars existierten nicht, also flüchtete ich mich ins Internet.

Auf YouTube, Instagram und Twitter begann ich vermehrt über Thematiken außerhalb der heteronormativen Gesellschaft zu sprechen. Schnell wurde mir bewusst: Ich bin überhaupt nicht allein. Die Vielfalt, nach der ich mich so sehnte, existierte bereits und etablierte sich immer mehr in weiten Teilen des Landes. Zugleich war aber auch nicht alles Gold was glänzte. Die Entkriminalisierung von Homosexualität 1994 und die Einführung der Ehe für alle im Jahr 2017 waren zwar wichtige Grundsteine, doch führten sie automatisch zu einer allgemeinen Akzeptanz? Mir wurde schnell bewusst: Queere Bildung und Sichtbarkeit ist ausbaufähig, auch in einem fortschrittlichen Land wie Deutschland. Und auch über die eigenes Landesgrenze hinweg dürfen wir nicht wegschauen, wenn Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, ihres Geschlechts oder ihrer Geschlechtsidentität diskriminiert werden.

Daher versuche ich seit vielen Jahren meine Reichweite für eben dieses Themenfeld zu nutzen und meine Bühne den Stimmen zu schenken, die zu oft nicht gehört werden. Diese Bühne schafft auch der CSD Leipzig und gemeinsam stellen wir klar: Toleranz, Akzeptanz und unsere Rechte sind nicht verhandelbar.

Ich wünsche allen Teilnehmenden des CSD Leipzig einen wundervollen, sicheren und unvergesslichen Tag!